Standort

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Hinter dem Ehren- und Mahnmal
für die Gefallenen beider Weltkriege von Alexander Silveri
am Paulustor, Graz.
Bus Nr. 30, Haltestelle Paulustor
Navigation Maria-Theresia-Allee 1, 8010 Graz

Alexander Silveri

Hinter dem »Ehren- und Mahnmal für die Gefallenen beider Weltkriege« von Alexander Silveri an der Grazer Wallanlage öffnet sich ein schmaler Raum, der vom Park aus nicht eingesehen werden kann. Hier, im Rücken des Reliefs, zeigen wir Belege unserer Recherche. Das Ehren- und Mahnmal bildet einen spannungsreichen zeitgeschichtlichen Referenzrahmen. Es entstand aus einer Initiative des Österreichischen Kameradschaftsbundes, dem Bezirk Graz-Stadt und der Soldatenverbände, hat also einen militaristischen Hintergrund und steht in direktem kausalen Zusammenhang mit dem NS-Regime und seinen Auswirkungen. Den ausgeschriebenen Wettbewerb gewann 1958 der steirische Bildhauer Alexander Silveri. Er realisierte ein zwölf Meter langes und fast drei Meter hohes Relief und schlug aus Sandstein fünf Motive. Die Formensprache vermeidet alles Heroisierende. Sie erinnert an Picassos Gemälde »Guernica« von 1937 und an die Sakralplastik der 1950er Jahre. Ein altarartiger Sockel steht seitlich auf der Betonplatte, die vor dem Relief eine Bühne bildet. Er trägt die Inschrift »Den Toten zur Ehre – den Lebenden zur Mahnung«.
Ursprünglich wurde das Mahnmal 1961 auf der historischen Stadtkrone am Karmeliterplatz installiert. 2003 musste es einem Immobilienprojekt weichen. Der damalige Landeskonservator empfahl eine Nische am Paulustor außerhalb der Wallanlage, wo im Dritten Reich Erschießungen stattgefunden haben sollen. Ob es sich tatsächlich um einen historischen Täterort handelt, konnte nicht belegt werden. Ob ein historischer Zusammenhang konstruiert wurde, um die Versetzung des Mahnmals plausibel zu machen, bleibt offen. Die Translozierung vom belebten Karmeliterplatz in das fast friedhöfliche Ambiente veranschaulicht, wie ein Denkmal »stillgelegt« werden kann.